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Autonome Fahrzeuge eröffnen komplett neue Perspektiven für den Service Sektor

Autonome Fahrzeuge eröffnen komplett neue Perspektiven für den Service Sektor

Laut der National Highway Traffic Safety Administration (zivile US-Bundesbehörde für die Strassen- und Fahrzeugsicherheit) sind 94 Prozent der Autounfälle auf menschliches Versagen oder eine schlechte Einschätzung der Situation zurückzuführen. Von den durchschnittlich 40.000 Verkehrstoten starben fast 15.000 durch überhöhte Geschwindigkeit, weil sie beim Fahren abgelenkt waren oder am Steuer eingeschlafen sind.

 Für die Mitarbeiter des technischen Aussendienstes, die zwangsläufig sehr viel Arbeitszeit in ihren Fahrzeugen verbringen, ist dies wenig überraschend. Ob es darum geht, schnell von einem Kunden zum nächsten zu gelangen oder sich über anstehende Termine zu informieren – Servicetechniker richten ihre Aufmerksamkeit nicht immer so stark auf den Verkehr, wie sie eigentlich sollten. Tatsächlich geschehen viele Unfälle im Service-Bereich unterwegs und nicht am Einsatzort. Könnten autonome Fahrzeuge die Sicherheit für Field-Service-Mitarbeiter hier möglicherweise erhöhen?

Intelligente Fahrzeuge am Start

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass autonome Fahrzeuge unsere Strassen in den kommenden paar Jahren beherrschen werden: Autos werden immer intelligenter. Und mit der Intelligenz kommt verbesserte Sicherheit.

  • Intelligente Autos (Smart Cars) können schnell die beste Route ermitteln, um Zeit zu sparen, Staus zu umgehen und Unfälle zu vermeiden. Fahrer, die sich nicht gehetzt und zu einer riskanten Fahrweise genötigt fühlen, werden seltener Unfälle verursachen.
  • Intelligente Autos verfügen über automatische Fahrerassistenz-Systeme, die mit ihren Sensoren laufend die Umgebung kontrollieren. Sie warnen Fahrer, wenn andere Fahrzeuge oder Objekte zu nah sind oder sich zu schnell nähern. So bleibt Fahrern genügend Zeit, die eigene Fahrweise anzupassen, um Kollisionen und Blechschäden zu vermeiden. Fahrerassistenz-Systeme nehmen auch Müdigkeit wahr, erkennen Verkehrszeichen und bieten Unterstützung bei erschwerten Bedingungen wie schlechtem Wetter oder Nachtfahrten.
  • Intelligente Fahrzeuge sind in der Lage, sich mit Smartphones und Apps zu verbinden. Angesichts der Fortschritte dieser Technologie wird sicher bald auch Software zum Field-Service-Management integrierbar sein. Über die Sprachsteuerung muss der Service-Techniker dann nur noch den Namen des nächsten Kunden nennen, und schon berechnet das Fahrzeug automatisch die bestmögliche Route. Dies minimiert unterwegs die Gefahren durch Ablenkung.
Multitasking leicht gemacht

Sobald autonome Fahrzeuge komplett selbst das Steuer übernehmen, können sich Service-Techniker um beliebig viele andere Aufgaben kümmern, während sie von einem Kunden zum anderen unterwegs sind. Sie könnten Informationen über den Kunden und die Gerätehistorie abrufen oder sich mit Bedienungsanleitungen und Schulungsvideos auf ihren Einsatz vorbereiten. Generell lässt sich die benötigte Zeit, um von A nach B zu kommen, besser nutzen. Das versetzt Service-Techniker in die Lage, vor Ort die Probleme des Kunden schneller und effektiver zu lösen.
Autonome Fahrzeuge haben damit nicht nur das Potenzial, die Sicherheitsstandards in der Branche neu zu definieren, sondern auch enorme Einsparungen bei Ressourcen und Kosten zu ermöglichen. Ausführlichere Informationen über die denkbaren Vorteile finden Sie hier.

Rechtliche Fragen rund um autonome Fahrzeuge

Trotz der positiven Auswirkungen, die autonome Fahrzeuge auf den Service-Sektor bieten könnten, sollten wir Bedenken hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit nicht ausser Acht lassen. Es ist durchaus berechtigt, sich vor der Umrüstung der Service-Flotte mit den kritischen Stimmen auseinanderzusetzen.

1. Wie empfindlich ist überempfindlich? Autonome Fahrzeuge sind so programmiert, dass sie Hindernisse auf der Strasse erkennen und darauf reagieren. Je sensibler das Fahrzeug für äussere Reize ist, desto wahrscheinlicher kommt es zu unnötigen Bremsmanövern in harmlosen Situationen. Das Gegenteil gilt für Fahrzeuge, die weniger empfindlich eingestellt worden sind. Es ist wichtig, die richtige Balance zu finden, damit die Fahrzeuge nicht ständig anhalten, wenn gar keine Gefahr besteht. Trotzdem müssen sie in der Lage sein, auf Fussgänger, Radfahrer und andere Objekte auf der Strasse angemessen zu reagieren.
2. Geografische UND moralische Entscheidungen? In städtischen Umgebungen gibt es immer wieder Situationen, in denen autonome Fahrzeuge in Sekundenbruchteilen zwischen dem kleineren und dem grösseren Übel entscheiden müssen. Ein Beispiel: Was ist schlimmer? Ein Zusammenstoss mit einem anderen Fahrzeug oder eine Kollision mit einem Kinderwagen? Wollen wir eine solche Entscheidung tatsächlich Algorithmen und einem Programmcode überlassen?
3. Angeklagte Fahrzeuge? Wer trägt die Verantwortung bei Unfällen mit autonomen Fahrzeugen? Der passive „Fahrer“, der Hersteller, der Programmierer, das Fahrzeug selbst? Hier gilt es nicht nur, die rechtlichen Aspekte von Autounfällen neu zu bewerten, sondern auch neue Modelle für die Kfz-Versicherung zu entwickeln.

Unabhängig von den vielen offenen Fragen – das Warten auf ein fast fehlerfreies Fahrzeug hat einen gravierenden Nachteil: Durch eine schnellstmögliche Umorientierung liessen sich viele Leben retten. Mit der zunehmenden Verbreitung von Deep-Learning-Technologien können fahrerlose Fahrzeuge umso früher für den Strassenverkehr zugelassen werden, je schneller sie lernen, am sichersten und effizientesten zu agieren. Bis 2070 liessen sich auf diese Weise 1,1 Millionen Leben retten. Würde man hingegen weitere 20 Jahre warten, bis die Fahrzeuge ausgereift sind, könnte nur fast die Hälfte dieser Leben gerettet werden. Wie bei vielen Innovationen im Rahmen der digitalen Transformation liegt es auf der Hand, dass die beste Lösung darin bestünde, weiter voranzuschreiten, bevor alle Fragen abschliessend geklärt sind.

Egal, wie schnell diese Fragen gelöst werden und die Entwicklung weitergeht: Coresystems wird weiterhin alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, die Field-Service-Erfahrung zu optimieren und die Sicherheit von Service-Technikern zu gewährleisten.

Quellen

Technik in Bayern, “Autonome Autos in Recht und Moral”, January 2017

Washington Post, “How safe is ‘safe enough’ to put driverless cars on the nation’s roadways?”, 10. Dezember 2017

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